Juristische Staatsexamina als digitale Prüfung: Computermiete im Einsatz in Baden-Württemberg

Vorbereiteter Saal für das Examen mit Miet-Laptops von Computermiete.de

600 angehende Volljuristinnen und Volljuristen, mehrere Prüfungsorte gleichzeitig. Die eingesetzte Technik muss zu 100% verlässlich funktionieren – ohne Spielraum für Ausfallzeiten oder Fehler. Heute zählt die digitale Durchführung der juristischen Staatsexamina in Baden-Württemberg zu den anspruchsvollsten Prüfungsprojekten im öffentlichen Bereich. Seit Dezember 2024 setzt das Landesjustizprüfungsamt Baden-Württemberg auf moderne E-Prüfungen – mit höchsten Anforderungen an Sicherheit, Stabilität und Verlässlichkeit.

Damit die digitale Prüfung unter realen Examensbedingungen reibungslos funktioniert, braucht es weit mehr als nur eine Softwarelösung.

computermiete.de begleitete das Projekt seit dem Beginn in der technischen Leitung und sorgte mit passender Hardware, stabiler Netzwerkinfrastruktur und umfassender technischer Betreuung für einen sicheren und erfolgreichen Prüfungsablauf an mehreren Standorten gleichzeitig. In diesem Beitrag möchten wir Einblicke in dieses komplexe, IT-basierende Prüfung geben.

Daten und Fakten zum Projekt

Bezeichnung: E-Prüfung in der Zweiten juristischen Staatsprüfung (ZJS)

Datum: halbjährlich seit Dezember 2024, zuletzt im Dezember 2025

Ort / Plattform: Offline-fähige Cloud-Anwendung, parallel eingesetzt an bis zu 5 Prüfungsorten

Verantwortliche Organisation: Landesjustizprüfungsamt Baden-Württemberg

Technische Leitung: computermiete.de GmbH & Co. KG

Beteiligte Dienstleister / IT-Systeme: ab Juni 2026 Prüfungssoftware demo.bw.exam.imagemaster.de der T-Systems International GmbH , bis Dezember 2025 UNIwise ApS mit der Plattform WISEflow

Anzahl der Teilnehmenden (geplant / tatsächlich): bis zu 600 in der Zweiten juristischen Staatsprüfung (ZJS), bis zu 1100 in der Ersten juristischen Prüfung (EJP)

Technische und organisatorische  Anforderungen

Die digitale Durchführung der juristischen Staatsexamina in Baden-Württemberg verfolgt das Ziel, ein modernes, sicheres und hochverfügbares Prüfungsverfahren bereitzustellen. Die Gewichtung dieser Prüfung ist enorm und die Anforderung an eine digitale Prüfung können kaum höher sein: Während die Erste juristische Prüfung (EJP) die fachliche Eignung für den juristischen Vorbereitungsdienst bestätigt, bildet die Zweite juristische Staatsprüfung (ZJS) den Abschluss des Referendariats und die Grundlage für Berufe wie Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt oder Notar. Für die Studierenden und alle Projektbeteiligten eine absolute Ausnahmesituation.

Entsprechend hoch waren die technischen Anforderungen: Die Prüfungsumgebung musste stabil, sicher und auch bei Störungen zuverlässig nutzbar bleiben.

Prüfungsplattform:

Ab Juni 2026: Prüfungssoftware (demo.bw.exam.imagemaster.de) der T-Systems International GmbH (t-systems.com)

Bis Dezember 2025: UNIwise ApS (uniwise.eu) mit der Plattform WISEflow (europe.wiseflow.net)

Endgeräte (z. B. BYOD, gestellte Geräte):

  • 600 bis 1100 baugleiche Business Laptops mit 15,6 Zoll Bildschirm
  • Externe Logitech-Maus
  • Bei Bedarf: externe, extrem leise Tastatur Cherry KC1000

Netzwerk / Internetanforderungen:

  • Redundant ausgelegte Internetverbindung (kabelgebunden und mobil) mit mindestens 100 Mbit/s

Sicherheit (z. B. Browser Lockdown, Proctoring):

  • Automatische Speicherung der Prüfungsdokumente in kurzen Intervallen auf Client (Laptop), Backup Server und in der Cloud
  • Offline-Fähigkeit der Prüfungssoftware: Auch bei einem Komplettausfall der Internet-Infrastruktur oder des lokalen Netzwerks muss die Aufsichtsarbeit ohne technische Störungen, Unterbrechungen, Fehlermeldungen, zeitliche Verzögerungen oder sonstige Beeinträchtigungen bearbeitet und regulär beendet werden können

Maßnahmenplan zur Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Prüfungsdurchführung bei alternativem sowie kumulativem Eintritt folgender Störungsszenarien:

  • Ausfall des Stroms am Prüfungsstandort
  • Ausfall eines Laptops
  • Ausfall des lokalen (WLAN-)Netzwerks
  • Ausfall des kabelgebundenen Internetproviders am PrüfungsstandortAusfall des mobilen Datennetzes am Prüfungsstandort
  • Protokollierung von durch Prüflinge in der Prüfungssoftware getätigten Eingaben mittels automatisch geführter Log-Dateien
  • Betrieb der Cloud in einem europäischen, nach höchsten Sicherheitskriterien zertifizierten Rechenzentrum (C5-Zertifizierung, ISO 9001 sowie ISO 27001)
  • Hoher Schutzbedarf hinsichtlich Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit (Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben sowie der Anforderungen gemäß BSI-Standards 200-2 und 200-3)
  • Jederzeitige Unterbindung eines unbefugten Zugriffs Dritter auf die Prüfungssoftware, die Cloud, die Clients sowie die gesamte technische Infrastruktur (insbesondere Netzwerk und Backup Server)

Authentisierung & Zugriffskontrolle:

  • Geeignete Maßnahmen zur Authentisierung
  • Möglichkeit zur 2-Faktor-Authentifizierung für alle Zugriffsberechtigten
  • Implementierung eines Rollen- und Berechtigungskonzepts
  • Maßnahmen zur Sicherung der Datensicherheit (insbesondere Datenverarbeitung, Datenkommunikation, Datentransport und Datenspeicherung)
  • Whitelisting zugriffsberechtigter IP-Adressen auf die Prüfungssoftware

Der hohe Stellenwert und besondere Rahmenbedingungen

Die digitale Durchführung der juristischen Staatsexamina in  hat außergewöhnlich hohen fachlichen und organisatorischen Anforderungen. Sowohl die Erste juristische Prüfung (EJP) als auch die Zweite juristische Staatsprüfung (ZJS) zählen zu den wichtigsten staatlichen Prüfungsverfahren in Deutschland.

Innerhalb von nur zwei Wochen wurden in Baden-Württemberg parallel bis zu acht fünfstündige Examensklausuren an mehreren Prüfungsorten gleichzeitig durchgeführt. Die Prüfungen decken dabei mit Öffentlichem Recht, Strafrecht und Zivilrecht die zentralen Kernbereiche der juristischen Ausbildung ab. Aufgrund der hohen Bedeutung der Staatsexamina mussten Hardware, Netzwerk und Prüfungssoftware absolut zuverlässig funktionieren. Gleichzeitig standen Manipulationssicherheit, Ausfallsicherheit und die jederzeit stabile Verfügbarkeit der gesamten technischen Infrastruktur im Mittelpunkt, um einen fairen und störungsfreien Prüfungsverlauf sicherzustellen. 

Das führt zu besonders kritischen Erfolgsfaktoren für ein solches Digitalprojekt: Das hochsensible Prüfungsverfahren erfordert 100% Ausfallsicherheit selbst unter kritischsten Bedingungen. Außerdem stehen besondere Anforderungen an eine perfekte Vorbereitung, Testphase, Redundanz und Reaktionsschnelligkeit in Verbindung mit einem für alle Seiten erfolgreichen Abschluss des digitalen Examens. Weiterhin können die regelmäßige Überprüfungen der technischen Prozesse, detaillierte Ablaufpläne für jeden einzelnen Prüfungsort sowie transparente Abstimmungs- und Änderungsprozesse als Fkatoren genannt werden.

Wie begegnet man diesen Herausforderungen und Rahmenbedingungen?

Stabiles, ausfallsicheres Hardware-Konzept

Ein entscheidender Erfolgsfaktor des Projekts war die absolute Zuverlässigkeit der eingesetzten Hardware, Software und Supportstrukturen sowie die zeitgleiche Verfügbarkeit einer hohen Anzahl baugleicher Laptops mit Zubehör und Netzwerkkomponenten an allen Prüfungsstandorten.

Maximale Ausfallsicherheit

Zur Sicherstellung eines unterbrechungsfreien Prüfungsbetriebs wurden die Prüfungsdaten im Sekundentakt lokal auf den Laptops, auf Backup-Servern sowie in der Cloud gespeichert. Zusätzlich sorgten redundante Stromversorgung, Ersatz-Laptops, abgesicherte Netzwerkstrukturen mit zusätzlichen Gateways und Access Points sowie redundante Internetanbindungen über kabelgebundene und mobile Verbindungen für maximale Ausfallsicherheit an allen Prüfungsstandorten.

Höchste Prüfungssicherheit

Zur Gewährleistung von Prüfungs-, IT- und Datensicherheit kamen umfassende Sicherheitsmaßnahmen zum Einsatz. Dazu gehörten automatisch geführte Log-Dateien zur Protokollierung sämtlicher Bearbeitungsschritte, eine automatische Zeichenzählung sowie der Betrieb der Cloud in einem europäischen Rechenzentrum mit C5-, ISO-9001- und ISO-27001-Zertifizierung. Gleichzeitig galten höchste Anforderungen an Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit aller Prüfungsdaten und Systeme.

Umfassendes Sicherheitskonzept

Grundlage der digitalen Prüfungsdurchführung war ein umfassendes Sicherheitskonzept gemäß den BSI-Standards 200-2 und 200-3 (IT-Grundschutz). Dieses berücksichtigte insbesondere die Sicherheit der Cloud-Infrastruktur und des Dokumentenmanagementsystems (DMS), die Ausfallsicherheit der gesamten Plattform sowie den Schutz sämtlicher Prüfungsdaten vor unbefugtem Zugriff. Ergänzend kamen Maßnahmen wie Authentifizierungsverfahren, 2-Faktor-Authentifizierung, Rollen- und Berechtigungskonzepte, Logging-Systeme sowie die gezielte Einschränkung zugriffsberechtigter IP-Adressen zum Einsatz. Darüber hinaus wurden sämtliche Prozesse rund um Datenverarbeitung, Datenkommunikation, Datentransport und Datenspeicherung umfassend abgesichert.

Wirksames Qualitäts- und Änderungsmanagement

Ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor war ein wirksames Qualitäts- und Änderungsmanagement. Dazu gehörten die regelmäßige Überprüfung der Projektergebnisse, die kontinuierliche Optimierung technischer und organisatorischer Prozesse sowie die Entwicklung detaillierter Ablaufpläne für jeden einzelnen Prüfungsort in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber. Transparente Abstimmungs- und Änderungsprozesse sorgten zudem dafür, dass neue Anforderungen flexibel und kontrolliert umgesetzt werden konnten.

 

Unser Video zeigt  Vorbereitung, Einrichtung und Aufbau der digitalen Prüfung im Staatsexamen Baden-Württemberg

Vorbereitung, Setup und Prüfungstag

Die Vorbereitung der digitalen Staatsexamina erstreckte sich über einen Zeitraum von insgesamt 15 Monaten.
Ziel war es, sämtliche technischen, organisatorischen und sicherheitsrelevanten Prozesse frühzeitig unter
realistischen Bedingungen zu testen und kontinuierlich zu optimieren.

Testläufe & Probedurchgänge

Bereits im Vorfeld wurden mehrere umfangreiche Test- und Belastungsszenarien durchgeführt, um die Stabilität
der gesamten Prüfungsinfrastruktur sicherzustellen.

  • Zwei eintägige Erprobungen mit jeweils 20 Teilnehmern an einem einzelnen Prüfungsort
  • Ein großer Testlauf an zwei Prüfungsorten mit insgesamt knapp 300 Teilnehmern
  • Zwei technische Belastungstests mit jeweils 100 Clients

Die Testläufe dienten insbesondere der Optimierung des Zusammenspiels aus Clients, Netzwerk, Backup-Servern
und Cloud-Infrastruktur. Besonderes Augenmerk lag dabei auf kritischen Nutzungsmomenten wie dem gleichzeitigen
Start und der Beendigung der Prüfungen.

Technische Einrichtung

Für die Prüfungsdurchführung wurde eine redundante und ausfallsichere Infrastruktur aufgebaut.
Diese umfasste sowohl kabelgebundene als auch mobile Internetverbindungen sowie lokal abgesicherte
Netzwerklösungen an den Prüfungsstandorten.

  • Kabelgebundene Internetverbindung
  • Mobile 5G-Internetverbindung als Backup
  • WLAN-Infrastruktur mit mehreren Access Points
  • Gateway- und Shadow-Gateway-Systeme
  • Backup-Server inklusive Ersatzgeräten
  • Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV)

Zusätzlich erfolgte ein zentrales Deployment sämtlicher Geräte mit identischen Betriebssystem-,
Sicherheits- und Prüfungssoftware-Konfigurationen, um an allen Standorten ein einheitliches Setup
sicherzustellen.

Kommunikation & Abstimmung

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Vorbereitung war die enge Abstimmung mit Prüfungsaufsichten
und organisatorischem Personal. Dabei wurden sowohl die grundlegenden Prüfungsabläufe als auch
konkrete Maßnahmen bei technischen Störungen im Vorfeld detailliert abgestimmt.

Umsetzung am Prüfungstag 

Die technische Umsetzung der acht fünfstündigen Prüfungen der Prüfungskampagnen der Zweiten juristischen Staatsprüfung (ZJS) zeitgleich an vier Prüfungsorten erfolgte identisch zu den zuvor erfolgten Testläufen. Der Start, die Bearbeitung ebenso wie die Abgabe der Prüfungen verliefen reibungslos. 

Aufgrund der Redundanzen von Netzwerk, Internetverbindung, Gateway, Backup Server, Clients, Cloud und Stromversorgung konnten alle Prüfungen ohne jeglichen Verlust an geschriebenem Prüfungstext erfolgreich beendet werden. Die eingesetzte technische Infrastruktur erwies sich als äußerst stabil, performant und ausfallsicher.  Alle technischen Support-Teams an den Prüfungsorten, bestehend aus jeweils zwei erfahrenen IT-Support-Spezialisten, konnten die wenigen technischen Fragen der Prüflinge sowie der Prüfungsaufsichten innerhalb kürzester Reaktionszeiten klären. 

Unser Fazit

Die elektronische Durchführung staatlicher und institutioneller Prüfungen gewinnt deutschlandweit zunehmend an Bedeutung. Ob juristische Staatsexamina, universitäre Prüfungen oder Meisterprüfungen im Handwerk – die Akzeptanz digitaler Prüfungsformate steigt kontinuierlich. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in der Zweiten juristischen Staatsprüfung (ZJS): Bereits nach etwas mehr als einem Jahr und drei erfolgreich abgeschlossenen Prüfungskampagnen liegt die Quote elektronischer Prüfungsteilnahmen nahezu bei 100 Prozent.

Der vom Landesjustizprüfungsamt, den Industrie- und Handelskammern sowie den Innungen eingeschlagene Weg hin zu digitalen Prüfungsformaten hat sich damit eindrucksvoll bewährt. Gleichzeitig zeigen die Projekte, wie hoch die Anforderungen an Technik, Sicherheit und Organisation bei elektronischen Prüfungen inzwischen sind.

Als technischer Partner hat sich computermiete.de dabei als erfahrener Spezialist für komplexe digitale Prüfungsszenarien etabliert. Entscheidend für den erfolgreichen Prüfungsbetrieb waren vor allem die hohe Stabilität und Ausfallsicherheit der eingesetzten Hard- und Software, redundante Netzwerk- und Internetstrukturen sowie die mehrfache Absicherung sämtlicher Prüfungsdaten auf Clients, Backup-Servern und in der Cloud. Ergänzt wurde das Setup durch unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) sowie den Einsatz qualifizierter Support-Spezialisten direkt an den Prüfungsstandorten. Solche Projekte zeigen eindrucksvoll, dass professionelle technische Planung, standardisierte Infrastruktur und erfahrene Betreuung heute wesentliche Voraussetzungen für die sichere und erfolgreiche Durchführung digitaler Prüfungen sind. Wir bedanken uns bei allen Projektbeteiligten für die gute Zusammenarbeit.

Table of contents